"Google Street View" und die vielleicht weitreichende Konsequenz

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Erstellt 2010-08-20 14:53 | IP-Adresse ist registriert

Google möchte mit seinem Projekt "Street View" nun  auch in Deutschland durchstarten. Das ruft die Verbraucherschutzministerin Aigner auf den Plan, welche das Vorhaben extrem kritisch betrachtet und Gesetzesinitiativen erwägt.

Zur Zeit ist es möglich sein Haus via einer Website "unkenntlich" zu machen, diese Einsprüche sollen später auch per Email geltend gemacht werden können. Soweit so bekannt. Nun hat ein "Pro Street View"-Aktivist angekündigt eben diese Adressen zu fotografieren. Der Aufschrei der Menschen die gerne anonym bleiben wollen ist natürlich groß und sie wollen das dem Mann das Vorhaben verboten wird.

Die weitreichende Konsequenz hieraus wäre, dass man zukünftig Besitz anderer nur noch mit dessen Genemigung auf Fotos festhalten darf. Ähnliche Gesetze sind in Frankreich und Belgien schon aktiv und vermiesen einigen das Fotografieren, besonders dann, wenn man die Fotos unkommerziell im Netz zeigen möchte.

Wie weit sollte das Recht am eigenen Bild auf Häuser, Autos, Fahrräder etc. ausgedehnt werden?

Harm-Diercks Gronewold
Redaktion digitalkamera.de

Antwort 2010-08-20 16:55 | IP-Adresse ist registriert

Fakt ist, dass man momentan von öffentlichem Raum alles fotografieren und auch veröffentlichen darf. Man sieht das z. B. auch am aktuellen Fototipp. Ob es wirklich sinnvoll ist, diese mir unter dem Begriff "Panoramafreiheit" aufgenommenen Fotos generell zu verbieten, ist sicherlich äußerst fragwürdig. Es wäre jedenfalls der beste Weg zum Zensurstaat, nachdem der Überwachungsstaat auch schon lange ein Thema ist.

Ein möglicher Weg wäre evtl. die Geodaten bzw. die Verknüpfung mit den Fotos bei Veröffentlichung zu verbieten.

Aber es bleibt ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist Google Streetview (oder andere Fotos mit Geotags) sehr nützlich, andererseits ein Datenschutzproblem. Das ist wie mit so vielem, was das Internet einem heutzutage bietet. Was bieten Facebook & Co nicht für tolle Möglichkeiten, sich mit anderen Menschen zu vernetzen. Aber will man, dass jeder sieht, mit wem man vernetzt ist? Welche Hobbies man hat? Sorgen zweifelhafte Angaben in Facebook dafür, dass ich einen Job nicht bekomme? Oder bekomme ich einen Job nicht, weil ich keinen Account habe und daher vielleicht etwas verbergen möchte?

Ich denke man kann das Rad nicht mehr zurück drehen und sollte die neuen Möglichkeiten als Chancen nutzen und nicht als Risiko sehen. Und man sollte sich sehr genau überlegen, welche Daten man im Internet wem preis gibt.

Die Streetview-Diskussion in den Medien ist aber, wie immer, überzogen und beruht auf teils falschen Annahmen, z. B. dass die Bilder "live" wären. Dazu ein interessanter Beitrag im Bildblog, der auch viel über die Intelligenz bzw. das Wissen unserer Prominenz verrät. Am besten finde ich dieses Zitat: Marcus Schenkenberg (42), Topmodel: "Tolle Sache! Wenn ich unterwegs bin, kann ich mich überzeugen, ob meine Häuser in New York, Stockholm und L. A . noch stehen. Eins muss tabu sein – in die Fenster reinzufilmen!" Ich bin mir dagegen sicher, dass man auch nach dem Hochgehen einer Atombombe in Stockholm die unversehrten Häuser in Streetview noch sehen kann.

Benjamin Kirchheim
digitalkamera.de-Redakteur

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