Vom optischen zum elektronischen Sucher – Teil 3

Einäugige und zweiäugige Spiegelreflexkameras

Schon im Jahr 1910 hat sich Anton Mayer aus Leipzig die Mühe gemacht, die Spiegelreflexkamera und ihre Handhabung zu erläutern (Encyklopädie der Photographie - Heft 71, erschienen im Wilhelm Knapp Verlag). Dabei handelt es sich um großformatige Kameras für Planfilm, die durch den Einbau eines unter 45 Grad geneigten Spiegels das vom Objektiv erzeugte Bild auf die obere Mattscheibe projizieren. Kurz vor der Aufnahme wird dann durch Hochschwingen des Spiegels den Lichtstrahlen der Weg zur Aufnahmeplatte freigegeben. Dieses Konstruktionsprinzip wurde schon 1861 in einem britischen Patent beschrieben, aber gebrauchstüchtige Kameras kamen erst ab Mitte der 1880er Jahre in den Verkauf. In seiner tabellarischen Aufstellung listet Anto Mayer zum damaligen Zeitpunkt 35 Hersteller bzw. Vertriebsfirmen auf, davon 1x Belgien, 15x Deutschland, 14x England, 1x Frankreich, 1x Österreich und 3x USA. Heute werden Spiegelreflexkameras nur noch von einer Handvoll japanischer Hersteller produziert und angeboten.

Die wesentlichen Bauteile der ersten Spiegelreflexkameras waren der Spiegel, der Schlitzverschluss und die Mattscheibe (zur besseren Betrachtung durch einen aufklappbaren Lichtschacht geschützt). Die Vor- und Nachteile dieser Kamerakonstruktion sind bis heute unverändert geblieben: einerseits direkte Kontrolle von Bildausschnitt ohne Parallaxenfehler auf der Mattscheibe und andererseits erhöhter konstruktiver Aufwand für die Betätigung des Spiegelschlags und dessen Dämpfung um Verwacklungen bei längeren Belichtungszeiten zu verhindern - die modernen Spiegelreflex-Kameras mit Bildfolgen von 8-10 Bildern pro Sekunde sind in dieser Hinsicht sicherlich ein Wunderwerk der Mechanik.

Mit dem Aufkommen des Negativformats in Kinofilmgröße (24x36 mm) wurden dafür auch erste Spiegelreflexkameras entwickelt; ob nun Mitte der 1930er Jahre die russische GOMZ Sport oder die deutsche Kine Exakta das erste Modell war, ist schon oft diskutiert worden und soll an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Aber eigentlich sind beide Kameras lediglich eine verkleinerte Variante der von Anton Mayer beschriebenen Modelle. Mittels des eingebauten Spiegels erlauben sie dem Fotografen den Blick von oben auf die eingebaute Mattscheibe (bei der Sport mit festem Lichtschacht, bei der Kine Exakta mit faltbarem Lichtschacht). Vor der Aufnahme klappt der Spiegel hoch und verbleibt in dieser Position, d.h. nach der Aufnahme ist der Sucher dunkel. Erst durch erneutes Spannen des Verschlusses wird er wieder hell. Das war ein großer Nachteil gegenüber den seinerzeit beliebten Leica, Contax und anderen Sucherkameras, die zudem noch ein seitenrichtiges Bild anzeigen und keine Dunkelpause haben. Die Herausforderungen an die Konstrukteure der Spiegelreflexkamera in der Folgezeit waren also die Entwicklung eines automatischen Rückschwingspiegels und die Integration eines zusätzlichen optischen Elementes für ein seitenrichtiges Bild im Sucher.

Dass sich - anders als bei einer Leica oder Contax - der Spiegelreflexsucher beim Abblenden des Objektivs verdunkelte, war dann eher eine Aufgabenstellung für die Optikkonstrukteure.

Innovative Lösungen für die beiden erstgenannten Probleme kamen aus dem Osten; ihre Markteinführung wurde aber durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verzögert. Meilensteine des Kamerabaus sind z.B. die Praktiflex von 1939 (Prototyp) oder die ungarische Gamma Duflex von 1947 mit Rückschwingspiegel und die Contax S von 1949 mit Pentaprisma für ein seitenrichtiges Sucherbild. Insbesondere das mittig angeordnete und aus der Gehäuseoberseite herausragende Pentaprisma ist bis heute ein deutlich erkennbares, äußeres Kennzeichen einer Spiegelreflexkamera. Wie es auch anders geht, wird später in diesem Artikel beschrieben.

1959 erfolgte der Markteintritt von Canon und Nikon; beide Hersteller hatten sich mit ihren Sucherkameras und deren ausgezeichneten Wechselobjektiven einen guten Ruf besonders bei amerikanischen Pressefotografen erworben. Nach dem Erscheinen der Leica M3 im Jahr 1954 waren sie allerdings technisch in Rückstand geraten und setzten daher verstärkt auf das aufkommende Segment der einäugigen Spiegelreflexkamera mit Schlitzverschluss. Nikon brachte seine F und Canon die Canonflex - beides solide und hochwertige Kameras mit Wechselsucher (Prisma oder Lichtschacht, wie schon bei der 1950 erscheinenden Exakta Varex). Offensichtlich hatte der amerikanische Nikon Importeur Ehrenreich die bessere Marketingstrategie, denn während der Verkauf der Canonflex Modelle vor sich hin dümpelte, entwickelten sich die Nikon F's zum Verkaufsschlager.

Auch weitere japanische Hersteller drängten nun auf den Markt - nicht nur Asahi Pentax oder Minolta, sondern auch eher unbekannte Firmen wie Aires mit der Penta 35 oder Kuribayashi mit der Petriflex. Irgendwelche Informationen über die eingestellte Blende oder Belichtungszeit hatten die Sucher dieser Kameras nicht; lediglich in der Mitte einen Mikroprismenfleck oder einen Schnittbildindikator als Hilfe für die exakte Fokussierung. Die westdeutschen Hersteller (Kodak, Zeiss Ikon, Voigtländer) setzten in dieser Zeit hauptsächlich auf die Entwicklung von Spiegelreflexkameras mit Zentralverschluss. Ob dies aufgrund von mangelnden technischen Fähigkeiten oder einer zu starken Einflussnahme der Verschlusshersteller (Gauthier, Deckel) geschah, mag Basis für weitere Spekulationen sein.

Die nächste bedeutende technische Verbesserung bei den Spiegelreflexkameras war die Belichtungsmessung durch das Objektiv - TTL = Through The Lens. Kameragehäuse mit integriertem Belichtungsmesser gab es ein schon seit ein paar Jahren, aber die Messzelle (Selen oder CdS) lag neben dem Sucher und das dazugehörige Ableseinstrument ebenfalls. D.h. zur Bestimmung der richtigen Zeit-/Blendenkombination musste der Fotograf die Kamera vom Auge nehmen. Auf den Komfort alle belichtungstechnisch relevanten Informationen im Sucher verfügbar zu haben, musste er bis zum Jahr 1963 verzichten. Zu diesem Zeitpunkt nämlich wurde die Topcon RE super vorgestellt - anders als alle bisherigen Spiegelreflexkameras sind bei dieser japanischen Kamera die Leiterbahnen der CdS Messzelle auf der Rückseite des Rückschwingspiegels aufgebracht! Dieser ist durch gezielt angebrachte Schlitze auf der Vorderseite im Mittenbereich durchlässig. Somit kann ein Teil der durch das Objektiv fallenden Lichtstrahlen direkt zur Belichtungsmessung genutzt werden. In den USA wurde die Kamera als Beseler Topcon Super D angeboten. Die Objektive haben das Exakta-Bajonett, aber mit Offenblendmessung und automatischer Springblende - d.h. das Verdunkeln des Sucherbildes beim Abblenden gehörte zumindest bei Topcon ab 1963 der Vergangenheit an. Andere Hersteller brauchten viel länger für eine entsprechende konstruktive Lösung; auch die in der Folgezeit beliebte und in Millionen Stück produzierte Pentax Spotmatic konnte diesen Komfort erst 1973 seinen Kunden anbieten.

Die Suchermattscheiben wurden durch ständige Verbesserungen der Oberfläche (z.B. Fresnellinsen) immer heller. Das Sucherbild hatte mit Einführung der TTL-Belichtungsmessung nun einige interne Anzeigen. Da ist zunächst einmal der Belichtungsmesser selbst, meist in Gestalt einer Nadel, die durch Verstellen von Zeit oder Blende mit einem Kreis zur Deckung gebracht werden muss (Nachführprinzip). Dann gibt es noch je nach Hersteller eine Anzeige der eingestellten Zeit und/oder der eingestellten Blende. Immer befinden sich diese Anzeigen innerhalb des Bildfeldes; ihre Anordnung (rechts, links, oben oder unten) folgt keiner bestimmten Regel und so ist sie bei jeder Kamera anders. Diese Anzeigen brauchen eine Beleuchtung von außen - das ist in der Regel das Tageslicht; aber wie soll man diese bei Dunkelheit ablesen? Darüber macht man sich heute keine Gedanken mehr, denn längst sind alle Sucherzeigen elektronisch. Zwei ganz unterschiedliche Lösungen gab es von Nikon und Leitz. Der „finder illuminator" kann als Zubehör auf dem Photomic Sucher der Nikon F2 befestigt werden und beleuchtet nach dem Einschalten die Belichtungsmesseranzeige. Das macht den ohnehin unschönen Photomic m.E. noch hässlicher; aber ein Profifotograf ist halt auch nachts im Einsatz. Wesentlich eleganter lösten die Entwickler von Leica das Problem an der R6, die als erste Kamera der R-Serie nicht aus der Zusammenarbeit mit Minolta stammt. Kaum auffällig ist der kleine Wulst unterhalb des Objektivbajonetts, der den Schalter für das Einschalten der Sucherbeleuchtung enthält; die Sucheranzeigen werden dann durch eine rote LED beleuchtet.

Elektronische Bauteile brachten den Spiegelreflexkameras ab den 1980er Jahren immer mehr Automatikfunktionen bei; da waren zunächst die Zeit-, Blenden-, und/oder Programmautomatik, die dem Fotografen die Ermittlung der richtigen Zeit/Blendenkombination abnahm. Später kam noch die TTL-Blitzbelichtungsmessung hinzu, die auch den Einfluss eines externen Blitzgerätes auf die Belichtung berücksichtigt. Zwar war die Messnadel in vielen Kameras inzwischen durch eine oder mehrere LED's abgelöst worden, aber eine Belichtungszeit von 1/320 sec oder eine Blende von F9,0 konnte damit nicht angezeigt werden. Die Canon A1 hatte als erste Kamera keine Skala mehr, deren Einstellpositionen mit LED's angezeigt wurden, sondern eine richtige LED Segmentanzeige wie man sie von frühen Taschenrechnern oder Digitaluhren kennt. Und ihre Position lag unterhalb des Sucherbildes, das somit komplett sichtbar ist. Nikon gebührt der Ruhm, die Übersichtlichkeit des Suchereinblicks verbessert zu haben. Die F3 konnte man - gegen Aufpreis - mit einem HP = High EyePoint Sucher bestellen. Dabei ist die Austrittspupille etwas nach hinten verlagert, so dass der Augenabstand zum Sucher größer wird. Auch Brillenträger können somit das komplette Sucherbild überblicken. Diese technische Lösung wurde schnell zum Standard.

Nahezu vollkommen umdenken musste man, als dann ein paar Jahre später die ersten Spiegelreflexkameras mit automatischer Scharfstellung auf den Markt kamen. Das gewohnte Drehen am Objektivring zur Fokussierung entfiel und die Kamera fokussierte selbstständig auf das Objekt, das sich im Autofokusmessfeld befand. Und wenn der Kontrast zu gering war, fokussierte sie eben gar nicht! Manuelles Eingreifen war bei den ersten Autofokusobjektiven noch nicht möglich. Canon war zwar nicht der Pionier auf diesem Gebiet, aber hatte mit der letzten Kamera der A-Serie seine Kunden schon mal auf die kommende Fokus-Revolution vorbereitet. Die AL-1 ist eine ganz normale Kamera mit Zeitautomatik für FD-Objektive und auf der Vorderseite mit QF = Quick Focus gekennzeichnet. Im Sucher gibt es dann unten eine Anzeige mit drei LED's - in der Mitte eine grüne wenn scharfgestellt ist, und rechts und links je einen roten Pfeil, der angibt in welche Richtung der Entfernungsring zu drehen ist. Als Messfeld dient genau wie bei den späteren EOS AF-Kameras ein kleines schwarz umrandetes Rechteck in der Suchermitte.

In den 1990er Jahren gehörte der Autofocus zum Standardausstattungsmerkmal und mit der Zeit wuchs auch die Anzahl der Messfelder; weitere Innovationen kamen von Canon, z.B. die sogenannte Eye-Control-Funktion, die bewirkte, dass die Kamera jenes AF-Messfeld aktivierte, auf das der Fotograf im Sucher schaute. Nachdem man die Kamera zuvor mit seiner eigenen Pupillenbewegung kalibriert hatte, klappte das in der Regel ganz gut. Durchgesetzt hat sich dieses System allerdings nicht. Standard dagegen wurde die Anzeige des aktiven AF-Messfeldes durch eine rote LED. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Gravur in der Suchermattscheibe.

Zu jener Zeit kamen auch die ersten digitalen Spiegelreflexkameras auf den Markt - im professionellen Segment gab es ausschließlich Modelle mit Kodak Sensoren, die in Nikon oder Canon Kameragehäuse eingebaut wurden. Wegen der kleinen Sensorgrößen (z.B. Kodak DCS420 mit 13,8 x 9,2 mm CCD) war natürlich auch das Bildfeld kleiner oder anders ausgedrückt: es gibt einen Verlängerungs-(Crop)faktor. Dafür wurde kein eigener Sucher eingebaut, sondern die tatsächliche Bildbegrenzung auf der Suchermattscheibe mit schwarzem Filzstift markiert. Erst später hat man entsprechende Suchermasken eingebaut, die das Blickfeld einengen. Und so sprachen die Kameratester bei den ersten DSLR mit APS-C Sensor gerne vom Tunnelblick, denn der Kamerasucher war klein und dunkel.

Mit dem Aufkommen der Vollformat Modelle waren dann die „normalen" Größenverhältnisse wieder hergestellt. Als herausragend gilt der optische Sucher der Sony alpha 900. So schrieb Benjamin Kirchheim 2008 in seinem Testbericht:

„Man merkt, dass Sony der Sucher äußerst wichtig war - schließlich stellt er auch eines der bedeutsamsten, wenn nicht sogar das wichtigste Merkmal überhaupt einer  Spiegelreflexkamera dar, erst recht, wenn man wie Sony auf eine LiveView-Funktion verzichtet. Ganz profimäßig ist dann auch die Möglichkeit, die Suchermattscheibe wechseln zu können, was der Fotograf in Eigenregie durchführen kann. Neben der Standardmattscheibe gibt es eine mit Gittermuster und eine, die durch ihre speziell geschliffene Struktur besonders gut für das manuelle Fokussieren geeignet ist. Ihre Oberfläche ist mit Mikrolinsen übersät, wodurch sich in der praktischen Anwendung ein sehr deutlicher "Schärfesprung" ergibt. Außerhalb der Schärfeebene wird das Bild regelrecht "zerrissen", so dass das manuelle Fokussieren mit der Alpha 900 und dieser speziellen Mattscheibe - besonders in Kombination mit lichtstarken Objektiven - viel Spaß macht."

Das Konstruktionsprinzip  einer Spiegelreflexkamera mit Schwingspiegel und Pentaprisma findet sich auch bei den sogenannten Kameras für Kassettenfilm oder allgemein als Instamatic Kameras bezeichnet. Als einziger japanischer Hersteller bracht Ricoh eine derartige Kamera für den 126-Film auf den Markt - die Ricoh 126C-Flex); und ebenfalls aus Japan kam die auto 110 von Pentax für das Pocketformat. Beide Kameras haben die Möglichkeit, Wechselobjektive zu verwenden. 

Nicht immer sind einäugige Spiegelreflexkamera an dem charakteristischen Pentaprisma zu erkennen - entweder ist es deutlich abgeflacht wie der Canonflex RM oder vollkommen ins Gehäuse integriert wie bei der Nikon auto 35. Das sognannte Halbformat (18x24mm) populär gemacht, hat Olympus mit seinen PEN Kameras - und auch in dieser Baureihe gab es ein Spiegelreflexmodell - die PEN F. Dabei ist der Spiegel um 90 Grad gedreht und schwingt nicht von unten nach oben, sondern von links nach rechts. Die seitenrichtige Anzeige des Sucherbildes wird nicht durch ein Pentaprisma erreicht sondern durch weitere Spiegel. Damit entfällt der „Höcker" auf der Kameraoberseite. Dieses Konstruktionsdetail findet sich viele Jahre später bei der ersten digitalen Panasonic Spiegelreflexkamera wieder - die Lumix L1 gab es auch als Leica digilux 3.

Wieder mit der konventionellen Anordnung des Spiegels aber sonst ganz anders kommt die Rolleiflex SL2000 bzw. SL3003 daher. Die „kubische" Kamera ist vollkommen modular aufgebaut und hat serienmäßig zwei unterschiedliche Suchersysteme - einen Prismensucher auf der Rückseite und einen Lichtschachtsucher auf der Oberseite.

Rollei ist dem Kamerasammler wohl einer ein Begriff für zweiäugige Spiegelreflexkameras, die zwei übereinander angeordnete Objektive haben. Das obere erzeugt, umgelenkt über einen Spiegel, das Sucherbild auf der Einstellscheibe (zwar aufrecht stehend, aber seitenverkehrt). Das untere ist mit einem Verschluss und einer Blende ausgestattet und für die Belichtung auf den Film zuständig.

Beide Objektive sind auf einer gemeinsamen Standarte montiert und werden zur Scharfstellung gemeinsam verstellt. Hierdurch erlaubt der Sucher wie bei einäugigen Spiegelreflexkameras eine genaue Einstellung der Schärfenebene. Sie weisen gegenüber diesen Konstruktionen sowohl Vor- als auch Nachteile auf. Der feststehende Spiegel ist einfacher und billiger herzustellen als die aufwändige Schwingspiegelkonstruktion und erlaubt trotzdem die exakte Beurteilung von Bildausschnitt und Schärfeverlauf. Das Sucherbild bleibt auch bei der Aufnahme sichtbar. Nachteilig sind die Sucher-Parallaxe und das seitenverkehrte Sucherbild. Wechselt man den Lichtschachtsucher gegen eine Prismensucher entfällt dieser Nachteil. Was im Großen funktioniert, klappt auch im Kleinen, dachten sich wohl einige Entwickler in den Alpenrepubliken. Die österreichische Goerz Minicord und die Schweizer Tessina sind lupenreine zweiäugige Spiegelreflexkameras, eben nur für Kleinstbildfilm.

Schon 1910 schrieb Anton Mayer in seinem o.g. Buch auf Seite 15: „Der komplizierte Mechanismus einer Reflexkamera bereitet nun schon an und für sich dem Konstrukteur große Schwierigkeiten, die sich ins Unermeßliche vermehren, sobald man darangeht, die Kamera zusammenlegbar zu konstruieren." Auf den Folgeseiten zeigt er dann drei Produkte aus Deutschland (eine Reflexkamera von Kricheldorff & Steckelmann, eine von Goerz und eine Mentor mit drehbarem Kassettenrahmen von Goltz & Breutmann). Dazu kommt noch eine Reflexklappkamera von Hougton's aus England. Die wohl bekannteste Reflexkamera dieser Bauart ist aber die Polaroid SX70, jenes Modell, das ab 1972 die Polaroidfotografie gesellschaftsfähig machte und sich in jüngster Zeit steigender Beliebtheit auf Fotobörsen erfreut.

 

 


Eingetragen 2013-03-16 14:27 von Harald Schwarzer  

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Kommentare

Benjamin Kirchheim schrieb re: Vom optischen zum elektronischen Sucher – Teil 3
auf 2013-03-22 16:25

"Dieses Konstruktionsdetail findet sich viele Jahre später bei der ersten digitalen Panasonic Spiegelreflexkamera wieder - die Lumix L1 gab es auch als Leica digilux 3."

Es fand sich vorher schon deutlich vorher in der Olympus E-300 (Photokina 2004) und dann in der E-330. Die Panasonic L1 ist mit der E-330 eng verwandt.