Zu Gast bei Leica

 

Während eines Seminars in der Leica Akademie hatte ich Gelegenheit, Herrn Siegfried Brück kennenzulernen. Er ist nicht nur Fachreferent für Fotografie sondern auch Leiter des Leica Museums. In dieser Funktion hatte er sich bereit erklärt, mir einige Details aus der Geschichte der Leica Digitalkameras zu berichten. Die gegenwärtigen Leica Modelle S2, M9 und X1 verkaufen sich sehr gut und das hat sich natürlich auch auf die Leica Akademie ausgewirkt - so gibt es nicht nur zahlreiche Kursangebote für die Neukunden, sondern auch viele Termine für Händlerschulungen vor Ort. Nach einigen E-Mails haben Herr Brück und ich endlich ein Datum für meinen Besuch in Solms gefunden. Am Dienstag dieser Woche habe ich dort einen informativen und vergnüglichen Nachmittag erlebt. Fast alle in den letzten 12 Jahren von Leica verkauften Digitalkameras haben mich erwartet. Die Leica Akademie und ihre Mitarbeiter haben schon von Beginn an Kurse und Schulungen durchgeführt; dabei ging es am Anfang eher um die richtige Handhabung der neuen Kamera und die Übertragung der Bilder auf den Rechner. (s. weiterführende Links). Die Autoren des LFI (Leica Fotografie International) Sonderhefts zur digilux von 1998 weisen darauf hin, dass gerade zu Anfang beim Fotografieren mit der digilux Enttäuschungen nicht vermeidbar wären. Wer beispielsweise beim Druck auf den Auslöser das sanfte Leica-typische Geräusch des Verschlussablaufes erwartet, wird enttäuscht sein - nicht der Klick signalisiert die erfolgte Auslösung, sondern ein elektronischer Piepser. Danach folgen fünf (!) lange Sekunden der Spannung, bis der Piepser erneut ertönt, um anzuzeigen, dass die Kamera die Aufnahme ausgelesen hat und wieder schussbereit ist. Serienmäßig wurde die digilux mit einer 2 MB SmartMedia Speicherkarte ausgeliefert - darauf passen 2 Bilder in höchster Auflösung und 11 Bilder in niedrigster Auflösung. Für einen späteren Zeitpunkt waren auch Speicherkarten mit 32 MB angekündigt. Also hieß es recht häufig, die Bilder auf den Computer zu übertragen - die USB Schnittstelle war noch nicht erfunden und so musste zunächst die mitgelieferte Software auf dem heimischen Rechner installiert werden (Twain Treiber, Picture shuttle und EZtouch). Herr Brück erinnerte sich noch gut an Seminare bei denen öfters der gesamte Rechner „abstürzte". Mehr als 10 Seiten umfasst das entsprechende Kapitel im Software Handbuch. Immer wieder findet der Anwender Hinweise, die die neuen Fachbegriffe erklären, z.B. „Ziehen und Ablegen - der Prozess, bei dem man ein zu verschiebendes oder zu kopierendes Symbol oder Vorschaubild mit der Maus anklickt und bei gedrückter Maustaste zu einer anderen Stelle zieht und dann die Maustaste loslässt."

 

Den Anfang machten umgelablete Fuji Modelle - ausgerüstet mit 1,5 MP CCD bzw. 2,4 MP SuperCCD Sensor kamen die digilux, digilux zoom und digilux 4.3 auf den Markt. Die 4.3 weist auf die Tatsache hin, das Fuji's SuperCCD Sensor sich tatsächlich verhält wie ein Sensor von 4,3 Millionen Pixel (s. weiterführende Links). Das Zubehör machte den Unterschied - so gab es bei den Leica Modellen immer eine kostenlose Version eines Bildbearbeitungsprogramms dazu (z.B. digilux zoom mit Adobe photoshop 5.0 LE) und speziell für diese Modelle entwickelte Zubehör Komponenten. Für Nahaufnahmen den digimacro und zum Abfotografieren von Dias oder Negativen den digcopy. Sie wurden bei Leitz Portugal gefertigt und sind heute eher selten zu finden. Man sollte beachten, dass in jedem Fall der entsprechenden Haltewinkel dabei ist, denn ohne den können die beiden o.g. Vorsatzlinsen nicht an der Kamera befestigt werden. Das geht übrigens auch bei den baugleichen Fuji Modellen.

Von links nach rechts: D-LUX 4, D-LUX, D-LUX 2 und D-LUX 3   

Von links nach rechts: 2x C-LUX 3, V-LUX 20 und V-LUX 1   

 Die Kooperation mit Fuji war für Leica wenig fruchtbar und wurde im Mai 2001 beendet - vier Monate später unterschrieb man dann einen Partnerschaftsvertrag mit Matsushita und startete gemeinsame Entwicklungsaktivitäten. Einige Panasonic Lumix Kameras kamen nun in leicht veränderter Form als Leica Digitalkameras auf den Markt. Aber keine Regel ohne Ausnahme - der renommierte Designer Achim Heine entwarf für die D-Lux und die digilux 1 ein komplett anderes Äußeres. Das sah zwar Leica typisch aus, kostete aber viel Geld. Gerade die 3 MP Kompaktkamera D-LUX war mit über 900 Euro Verkaufspreis viel zu teuer und blieb ein Ladenhüter. Die Nachfolgemodelle D-LUX 2, 3 und 4 kamen ohne weitreichende Designänderungen aus und erreichten Stückzahlen von mehr als 100.000. Über die Entscheidung die darunter angesiedelten C-LUX Kameras auslaufen zu lassen, ist Herr Brück ganz glücklich, denn einerseits ist Leica in diesem Marktsegment nicht richtig zuhause und anderseits gibt es dort immer mehr Wettbewerb durch Fotohandys. An die Umtauschaktionen wegen „Sensorsterben" bei der digilux 2 konnte sich der Leica Refernt auch noch erinnern; da hatte man bei Panasonic wohl eine fehlerhafte Charge produziert, denn schon nach weniger als einem Jahr war der Sensor bei vielen Kameras tot. Die digilux 3 als Spiegelreflexkamera mit Four-Thirds Sensor und der Möglichkeit Wechselobjektive anzusetzen, ist historisch gesehen eine Sackgasse, denn es wird keinen Nachfolger mit diesen Sensor geben. Alle vier Objektive (drei Elmarit-Zooms und eine Summilux-Festbrennweite), die für diese Kamera und das Panasonic Pendant L1 angeboten wurden, hat ausschließlich Panasonic in Japan gefertigt. Leica leistete technische Unterstützung bei der Entwicklung und bekommt für die Verwendung seines Namens entsprechende Lizenzgebühren. Nimmt man einen 2-fachen Crop-Faktor in Kauf, kann man an der digilux 3 (bzw. L1) mittels Adapter auch ältere R-Optiken verwenden. Auf eine Vollformatlösung für diese Objektive müssen die Leica Fans wohl noch warten (wenn sie überhaupt kommt). Die Weiterentwicklung der Elektronikkomponenten ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass ein Nachfolger für die M9 mit einem elektronischen Sucher und einer Live-view Funktion denkbar ist. M-Objektive mit Autofocus sind aber eher unwahrscheinlich.

Von links nach rechts: digilux 1 (Prototyp mit aufgeklebtem Griff), digilux 3 mit R-Adapter und Summilux R 1,4/50 mm  

Von links nach rechts: mock-up digilux 2 mit ausgeklapptem Blitz, digilux 3 Schnittmodell und digilux 2  

 Ich habe mich wohl gefühlt bei Leica und besonders über die Tatsache gefreut, dass ich die Gelegenheit hatte, die Mock-up Modelle der digilux 2 oder das Schnittmodell der digilux 3 aus der Vitrine zu nehmen und genauer anzuschauen.   

 

 

 

Jahr

Seriennummer

Stück

 

 

von

bis

 

digilux

1998

2457801

2463800

6.000

digilux zoom

1999

2527001

2547000

20.000

digilux 4.3

2000

2596501

2626500

30.000

digilux 4.3

2000

2704301

2705300

1.000

digilux 1

2002

2787001

2817000

30.000

digilux 2

2003

2984401

2999400

15.000

digilux 2

2004

3004001

3005000

1.000

digilux 2

2004

3011101

3026100

15.000

digilux 3

2006

3181001

3194000

13.000

digilux 3

2006

3194701

3195000

300

Quelle: Erwin Puts - Leica Pocket book

Weiterführende Links:

http://www.digitalkamera.de/Meldung/Hotline_und_Seminare_fuer_Leica_digilux_zoom/225.aspx

http://www.digitalkamera.de/Meldung/Fuji_dreht_die_Pixel_um/183.aspx


Eingetragen 2010-07-29 11:58 von Harald Schwarzer
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